25.09.2025
Am 19. September 2025 empfingen Dagmar Hanses (MdL, GRÜNE) und Matthias Goeken (MdL, CDU)als Gastgeber die Teilnehmenden zu einem zukunftsweisenden Dialogforum im Parlamentsgebäude des Landtags Nordrhein-Westfalen.
Zu den Hauptgästen zählten Silke Weber (Referatsleiterin II A 4 "Fachkräftesicherung, berufliche Weiterbildung, regionalisierte Arbeitspolitik" im MAGS NRW) und Martin Diart (Bereichsleiter Berufliche Bildung, ZWH). Darüber hinaus nahmen Fach- und Führungskräfte aus Politik, Bildungs- und Sozialträgern, Kammern, Arbeitsmarktinstitutionen und Zivilgesellschaft teil – gemeinsam wurde die Weiterentwicklung von Teilqualifizierung, Fachkräfteentwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe in NRW in den Blick genommen.
Im kleinen Sitzungssaal begrüßten Hanses und Goeken das Plenum und unterstrichen die bildungs- und gesellschaftspolitische Relevanz des Themas. Das Forum diente als zentrale Plattform für Austausch und die Entwicklung praktischer Impulse zur Teilqualifizierung und Fachkräftesicherung in Nordrhein-Westfalen.
Thematische Einführung
Sonja Wilmer-Kausch (Geschäftsführerin Kolping-Landesverband NRW) eröffnete die Veranstaltung und machte deutlich, wie gemeinnützige Bildungsträger als Vermittler zwischen Politik, Arbeitsmarktakteuren und Teilnehmenden eine Brückenfunktion übernehmen.
Impulse und Fachbeiträge
Martin-Axel Bruckmann (Leitung Ausbildung KBBW Essen, Vorstandsmitglied Kolping-Landesverband NRW) stellte in seinem Impulsbeitrag eindrucksvoll die Dringlichkeit und strategische Relevanz modularer Teilqualifizierungsangebote heraus. Er verwies auf die aktuelle Bertelsmann-Befragung "Ausbildungsperspektiven 2025", die belegt, dass trotz unverändert hohem Ansehen der Ausbildung besonders junge Menschen mit niedriger Schulbildung große Hürden beim Zugang zu einer vollwertigen Ausbildung sehen – mit der Folge, dass mehr als jede*r Fünfte zunächst komplett ohne Berufsabschluss auf den Arbeitsmarkt geht. Angesichts von derzeit 2,86 Millionen jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung und den damit verbundenen individuellen und volkswirtschaftlichen Risiken sieht Bruckmann in flexiblen, modularen Weiterbildungswegen eine zentrale Brücke zu nachhaltiger Qualifikation und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.
Er betonte, dass innovative Geschäftsmodelle und die ambitionierte Vernetzung von Wirtschaft, Politik und gemeinnützigen Bildungsträgern – unter anderem die Kolping-Bildungsunternehmen – dafür sorgen können, dass moderne Teilqualifizierung tatsächlich bei den Zielgruppen ankommt und nachhaltige Perspektiven schafft.
Silke Weber (MAGS NRW) ordnete die staatlichen Strategien und das Zusammenspiel der Förderinstanzen in NRW ein. Sie machte deutlich, dass mit "Kein Abschluss ohne Anschluss – KAoA" ein landesweit einheitliches System zur frühzeitigen Berufsorientierung umgesetzt werde. Über ESF-geförderte Instrumente, individuelles Coaching und Teilqualifizierungen werden realistische Berufsperspektiven und nachhaltige Begleitung – speziell auch für Menschen im Rechtskreis SGB II – geschaffen. Entscheidend ist aus ihrer Sicht die enge Zusammenarbeit von Sozialpartnern, Kammern und Arbeitsagentur sowie die Weiterentwicklung innovativer, begleitender Maßnahmen für passgenaue Qualifizierungswege.
Martin Diart (ZWH) beleuchtete die Umsetzungsrealität im Handwerk: In Düsseldorf und anderen Pilotregionen sind Teilqualifikationen bereits modular und praxisorientiert aufgebaut, entstehen in enger Abstimmung mit Betrieben und Kammern. Initiativen wie das "TQ-Berufsset" für das Elektrohandwerk stehen für bundesweiten Innovationsstandard. Diart betonte, dass die Erfahrungen aus Pilotprojekten zügig in ein Gesamtsystem überführt, Teilqualifizierungen nachhaltig verankert und die Kooperation aller Partner dauerhaft gesichert werden müssen, damit Teilqualifizierung als moderner Weg der Fachkräftesicherung wirken kann.
Marielle Biesemann (Geschäftsführerin PRODIA Kolping Werkstätten) gab die Perspektive einer anspruchsvollen Zielgruppe wieder: Für Menschen mit Beeinträchtigungen sind Teilqualifizierungen bislang selten, bieten aber durch bedarfsorientierte Entwicklung und Kooperation mit anderen Trägern erhebliches Potenzial. Sie warb für innovative, niedrigschwellige Wege und verstärkte Bündnisse, um auch diese Gruppen wirksam zu erreichen und Teilhabe zu ermöglichen.
Diskussion und Abschluss
Die lebendige Plenumsdiskussion spiegelte die Vielschichtigkeit und die große Motivation der Beteiligten wider: Erörtert wurden Bedarfsorientierung, Finanzierung, nachhaltige Verankerung, inklusive Ansätze und die Einbettung in die nationale Fachkräftestrategie.
Matthias Goeken bedankte sich im Namen der Gastgeber für die engagierte Beteiligung. Als Zeichen der gelebten Demokratiebildung hat Sonja Wilmer-Kausch das Kolping-Legespiel "Warum – Darum – Grundgesetz" an Silke Weber und Martin Diart überreicht. Das Spiel verdeutlicht den Stellenwert der Vermittlung demokratischer Werte und Grundrechte – auch im Kontext beruflicher Bildung.
Mit abschließenden Worten rief Sonja Wilmer-Kausch zur weiteren Vernetzung und zum gemeinsamen Engagement auf. Auf der Freitreppe vom Untergeschoss ins 1. Obergeschoss des Landtags entstand abschließend ein stimmungsvolles Gruppenfoto aller Beteiligten, das die dialogorientierte Partnerschaft und das Fortschrittsdenken des Forums symbolisch festhielt.
Martin- Axel Bruckmann