02.10.2026

Einsamkeit - Die Geschichte von Elija

Dies ist der dritte Teil unserer Themenreihe "Einsamkeit". Im ersten Teil ging es um die Auswirkungen von Einsamkeit auf unsere Demokratie, im zweiten Teil hat der Diözesanfachausschuss Familie und Generationen aufgezeigt, dass Einsamkeit durchaus auch in scheinbar guten Netzwerken vorkommt. Hier steuert jetzt Alexandra Damhus, geistliche Leitung des Kolpingwerk DV Münster, die Erzählung von Elija bei. Dazu rechts ein passendes Gebet für die Zeiten der Einsamkeit.

Die Erzählung

Elija – nach 1 Könige 17 - 19

Ich bin Elija – Prophet des einen Gottes. Des Gottes unserer Väter Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich lebte zur Zeit des Königs Ahab und der Königin Isebel – ungefähr 900 v. Chr., nach eurer Zeitrechnung. Es waren schwierige Zeiten. König Ahab heiratete diese fremde Prinzessin– Isebel – eine schreckliche Frau, wenn ihr mich fragt. Sie brachte fremde Götter mit und überall wurden diese fremden Götzen nun verehrt – besonders der Götze Baal. Aber ich blieb JHWH treu, dem Gott unserer Mütter Sara, Rebekka, Rahel und Lea. Der HERR schickte mich zu König Ahab, ihm sollte ich im Namen JHWH sagen: So wahr der Gott Israels lebt, in dessen Dienst ich stehe: in diesen Jahren sollen weder Tau noch Regen fallen, es sei denn auf mein Wort hin.

Ja, so sagte ich es König Ahab. Der König glaubte mir nicht, dass eine Dürre das Land überziehen wird. Aber ich, ich war mir sicher, es stimmt. Der HERR sprach zu mir: „Geh weg von hier, nach Osten. Lass dich am Bach Kerit nieder und warte dort die Zeit der Dürre ab. Aus dem Bach sollst du trinken und ich schicke dir Raben, die dir Nahrung bringen“. So war es dann auch. Ich ging zum Bach Kerit und täglich kamen Raben und brachten mir Fleisch oder Brot. Die Zeit ging dahin und weder Tau noch Regen fielen vom Himmel herab. Auch der Bach Kerit versickerte zunehmend. Sorgen machte ich mir nicht. Der HERR, er wird für mich sorgen. Als gerade kein Tröpfchen Wasser mehr im Bachlauf war, hörte ich den HERRN sagen: Mach dich auf Elija, geh nach Sarepta. Dort wird eine Witwe sich deiner annehmen.

Naja, Sarepta – das liegt in Phönizien – da bin ich ein Ausländer. Und ausgerechnet eine Witwe soll sich um meine Verpflegung kümmern? Wo Witwen doch Almosen erhalten nicht geben ….. aber ich höre auf den HERRN. Vor dem Stadttor von Sarepta sah ich wie eine Witwe Holz auflas. Ich bat sie um Wasser und etwas Brot. Zu meiner Überraschung antwortete sie: „So wahr dein Gott lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich sammle hier etwas Holz und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Und dann wollen wir sterben – denn das Wenige, das wir haben reicht nicht zum Leben.

„Vertrau nur“, antwortete ich ihr. „Geh und bereite eine Mahlzeit für mich, dich und deinem Sohn zu. Im Namen meines HERRN, des Gottes Saras, Rebekkas, Rahels und Leas verspreche ich dir, dein Mehl-topf wird sich nicht leeren und der Ölkrug nicht austrocknen solange bis wieder Regen den Boden durchnässt.“ Und genauso war es. Der Mehltopf wurde nie leer und das Öl versiegte nicht. Die Witwe beherbergte mich, den Fremden, gut.

Doch dann wurde der Sohn krank – sehr krank. So krank, dass kein Atem mehr in ihm war. Die Witwe hatte ihren leblosen Sohn auf dem Schoß als ich sie sah. Sie hielt ihn fest umklammert, weinte – un-endliche Trauer. Als sie mich sah, beschimpfte sie mich: „Was habe ich mit dir, dem Fremden zu tun.

Hast du meine Lebens-Verfehlungen deinem Gott offengelegt? Muss mein Sohn deshalb sein junges Leben lassen? Was hast du für einen Gott?“

Ein schrecklicher Moment. Was sollte ich nur tun? Was konnte ich tun? In meiner Hilflosigkeit bat ich JHWH zur Hilfe. Und im selben Augenblick handelte ich, ohne zu wissen warum und wie. Ich nahm den Jungen in meine Arme und trug den leblosen Körper ins Obergemach. Dort legte ich ihn auf mein Bett. „Herr, mein Gott“, flehte ich, „willst du denn wirklich über die Witwe, die mich, deinen

Propheten, aufgenommen hat, Unheil bringen und ihren Sohn sterben lassen?“ Dann warf ich mich dreimal mit meinem Oberkörper über den Jungen und flehte jedes Mal den HERNN an:

„Lass doch das Leben in diesen Jungen zurückkehren – lass das Leben in diesen Jungen zurückkehren“. Tatsächlich, der Junge begann wieder zu atmen – mein Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs er ist ein Gott des Lebens.

Den Jungen brachte ich zu seiner Mutter und auch sie bekannte sich nun zu dem einen einzig wahren HERRN.

Im dritten Jahr der großen Dürre und Hungersnot rief der HERR mich erneut. „Geh zu König Ahab und zeige dich ihm. Ich will es wieder regnen lassen.“ So machte ich mich auf den Weg – ängstlich und voller Vertrauen. Ich hatte gehört, dass Königin Isebel alle JHWH Anhänger hat töten lassen.

Gab es überhaupt noch Propheten, Priester, Gläubige für den Gott Israels? Was wird mit mir gesche-hen, wenn ich vor König Ahab stehe? Werde ich sofort getötet? Aber nein, wenn der HERR mich schickt, wird er bei mir sein. Der HERR, er kümmerst sich um mich.

Die ersten Worte Königs Ahabs klingen mir noch im Ohr. Und sie bestärkten mich in der Treue zu meinen HERRN. „Da bist du ja, der Verderber Israels!“ , rief er mir zu.

„Ich, ich soll Verderben über Israel gebracht haben?! Wer hat denn den fremden Götzendienst ein-geführt und sich vom Gott seiner Väter Abraham, Isaaks und Jakobs abgewandt? Das warst du mit deiner Frau.

An ihren Tisch sitzen die falschen Propheten und Priester der Götzen. Ruf sie nur alle zusammen, sie sollen kommen zum Berg Karmel. Dann werden wir sehen, welcher der einzig wahre Gott ist.“

So kamen sie alle, die Propheten des Baals und Aschera – 850 sollen es gewesen sein. Auch das Volk kam, um zu sehen, was geschehen wird. Ich wandte mich ans Volk, erinnerte sie an den Glauben ihrer Väter und Mütter. Forderte sie auf, sich zum Gott JHWH zu bekennen. Doch das Volk schwieg. Dann forderte ich sie heraus, die fremden Propheten mit ihren Götzen.

Ich stand allein vor diesen hunderten anderen Propheten und doch war ich mir sicher – mein HERR ist da. Als Beweis, welcher Gott der wahre Gott ist machte ich einen Vorschlag: Man soll uns zwei Stiere bringen, die als Brandopfer dienen. Ihr, die Baalpriester und auch ich werden je einen Stier zur Opfergabe vorbereiten, ihn schlachten, zerteilen und auf den aufgeschichteten Altar legen. Doch Feuer machen wir nicht. Jeder ruft seinen Gott an, um das Feuer zu entfachen. Dann wird sich zeigen, welcher Gott der wahre Gott ist.

Die Baalpriester begannen. Sie schichteten aus Feuerholz einen Altar auf, schlachteten und zerteilten den Stier. Sie legten die Opfergabe auf den Altar und dann begannen sie ihren Götzen anzurufen, zu singen und zu tanzen.

Es war die reinste Raserei. Wie bei ihnen üblich, ritzten sie sich mit ihren Schwertern und Lanzen wund. Aber Feuer kam nicht vom Himmel. Kein Fünkchen….

Dann war ich an der Reihe. Zwölf Steine sammelte ich als Grundstein für den Opferaltar. Zwölf Steine wie die zwölf Stämme unserer Väter und Mütter. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen wa-ren, rief ich zum Volk: „Bringt Wasser und übergießt damit das Opferfleisch und Brennholz – der Gott

Israels kann auch dann noch Feuer entfachen“. Dreimal wurde alles mit Wasser übergossen, das Was-ser lief an den Seiten herunter. Dann rief ich zum HERRN:

„HERR, Gott Israels, heute sollen alle erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue. Erhöre mich HERR, erhöre mich!“ Da kam das Feuer des HERRN herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: JHWH ist Gott, JHWH ist Gott!

Ich nutzte die Gelegenheit und rief das Volk dazu auf, die fremden und falschen Propheten zu töten. Sie taten es. „Geh“, sagte ich zu König Ahab „geh nach Hause. Iss und trink denn die Not der Dürre hat ein Ende“. Tatsächlich war es so, vom Westen her bildete sich eine Wolke und ließ Regen aufs Land fallen.

Ahab berichtete seiner Frau, Königen Isebel von den Geschehnissen und diese entbrannte in Zorn. Sie ließ mir durch einen Boten ausrichten: Ich werde dich ebenfalls töten, so wie du es mit meinen Pro-pheten getan hast.

Ich bekam Angst – einfach nur Angst. Also lief ich weg, um mein Leben zu retten. Isebels Rache ist nicht zu unterschätzen. Ich lief in Todesangst in die Wüste und wurde dort des Lebens müde. So setzte ich mich unter einen Ginsterstrauch und bat den HERRN, meinem Leben ein Ende zu machen. Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr, war alles, was mir durch den Kopf ging. So schlief ich ein. Doch ein Engel rührte mich an und sprach: „Steh auf und iss!“.

Tatsächlich, als ich die Augen aufschlug lag neben meinem Kopf gebackenes Brot und ein Krug frisches Wasser. Ich aß und trank und schlief wieder ein. Meine Kräfte reichten für keinen weiteren Schritt. Der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal, rührte mich an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. Ich tat wie mir gesagt, aß und trank und wanderte durch diese Speise ge-stärkt vierzig Tage und Nächte durch die Wüste zum Gottesberg Horeb. Dort übernachtete ich in einer Höhle und hörte erneut den HERRN. „Was willst du hier, Elija?“, fragte er. Ich verstand diese Frage nicht. Der HERR musste doch wissen, was geschehen ist. Dass ich allein für ihn eingetreten bin. Ich ganz allein war immer treu – nicht das Volk. Und jetzt trifft mich allein der Zorn und die Todesdrohung Isebels. Genau das sagte ich dem HERRN.

Doch er erwiderte nur: „Komm heraus aus der Höhle und stell dich auf den Berg vor den HERRN! Ich tat es. Es brach ein heftiger Sturm aus, der Berge zerriss und Felsen zerbrach. Als ginge die Welt unter. Danach bebte die Erde. Ich konnte kaum stehenbleiben. Angst hatte ich auch. Aber ich blieb am Höhleneingang stehen und hielt aus. Nach dem Beben kam ein Feuer. Und dann hörte ich ein sanftes, leises Säuseln – kaum wahrzunehmen nach all den Naturgewalten. Jetzt hüllte ich mein Ge-sicht in den Mantel und trat aus der Höhle heraus, denn ich wusste: Jetzt zieht der HERR vorüber. Ich vernahm erneut seine Stimme: „Was willst du hier, Elija?“

Alles habe ich für dich, den einzig wahren Gott getan. Allein bin ich übrig geblieben, immer war ich dir treu und nun will Königin Isebel mich umbringen lassen. Doch auch jetzt ging der HERR nicht auf meine Klage ein, sondern sagte: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach

Damaskus! Bist du dort angekommen, salbe Hasael zum König von Aram, Jehu zum König von Israel und salbe Elischa zum Propheten an deiner Stelle.

So tat ich es.

Einsamkeit - Kolpingwerk DV Münster Kampagne

Gebet

Guter Gott,
wie der Prophet Elija kenne ich Stunden, in denen ich mich allein fühle, müde und mutlos. Manchmal scheint es, als verstehe mich niemand, als müsste ich meinen Weg ganz alleine gehen.

Doch du hast Elija nicht verlassen, als er sich in die Wüste zurückzog. Du hast ihn gestärkt, ihm neue Kraft geschenkt und ihn erfahren lassen: Du bist da.

So bitte ich dich heute:

Öffne meine Augen für die Menschen, die du an meine Seite stellst. Bewahre mich davor, mich ganz zurückzuziehen. Schenke mir den Mut, auf andere zuzugehen, und die Demut, Hilfe anzunehmen. 

Lass mich glauben, was Adolph Kolping wusste: Wer auf Gott vertraut, hat die Zukunft auf seiner Seite. Auch wenn ich meinen Weg heute nur Schritt für Schritt sehe, so bist du doch schon vorausgegangen. 

Segne die Menschen, die ebenfalls einsam sind. Lass uns erfahren, dass wir zusammengehören, dass jeder Mensch wertvoll ist und niemand von dir vergessen wird. 

Schenke meinem Herzen Hoffnung, meinem Leben neuen Mut und meinen Tagen Menschen, die Licht bringen. 

Denn du bist bei mir – heute und alle Tage.

Amen.

 
 

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