20.05.2026

Diözesanwallfahrt 2026

Ein Selbstversuch

Mit der Kolping-Wallfahrt in Coesfeld unterwegs

Von Rita Kleinschneider

Soll ich mich anmelden? Zur Kolping-Diözesanwallfahrt? In der Ausschreibung lese ich: „An diesem Tag geht es in erster Linie um Gemeinschaft, um das Unterwegssein und um die Frage, wie sich Gottes Liebe heute erfahren lässt.“

Eigentlich - oder gerade deswegen? – habe gar keine Zeit, hab‘ meinen Dienstag anders verplant - melde ich mich doch an. In meinem Kalender steht nun das Motto der Wallfahrt: „Gott = Liebe.“ Mal gucken, wie es wird und wen man so trifft. Kuchen soll’s ja auch geben.

Viele Jahre war die Frauenwallfahrt zum Annaberg nach Haltern am See fester Bestandteil im Jahresplan. In den letzten Jahren traf man sich zur Kolping-Diözesanwallfahrt mit Kolpingschwestern und Kolpingbrüdern in Eggerode.

Diese Wallfahrt ist erstmals mit dem neuen Standort an der Kolping-Bildungsstätte in Coesfeld etwas anders konzipiert. Mir gefällt die Idee. Im Bistum Münster gibt es mehr als 20 große und kleine Wallfahrts- und Gedenkorte, zu denen sich die

Menschen aufmachen, neue Erfahrungen zu sammeln. Warum also nicht mal Coesfeld als „kleinen“, eher unbekannten Wallfahrtsort? Er hat eine lange Tradition als Pilgerziel und gilt als ältester Kreuzwallfahrtsort im Bistum Münster.

Nach einer kurzen Einstimmung und Begrüßung der gut 50 Teilnehmenden aus dem Umkreis von 80 Kilometern durch Diözesanseelsorgerin Alexandra Damhus geht es los.

Pilgern = Beten mit den Füßen

Wer ein halbes Stündchen laufen mag, pilgert zur Stadt- und Marktkirche St. Lamberti zum Coesfelder Kreuz. Oder soll ich bei einem der zwei angebotenen Workshops mitmachen?

Ich entscheide mich für’s Pilgern. Unterwegs komme ich mit Christoph Heßling in’s Gespräch. Aktiv in der Gemeinde und auch als Mitglied der Kolpingsfamilie Coesfeld fühle er sich mit dem kirchlichen Leben verbunden. „Wenn wir heute Glaubensfragen in der Gemeinschaft einer Wallfahrt ‚unter die Füße nehmen‘, tut das doppelt gut.“

Der Diözesanfachausschuss „Kirche mitgestalten“ ist für das Pilgerangebot zuständig. Diakon Bernhard Krampe und Jürgen van Deenen geben Infos zum Kolpingwerk, zum Marktkreuz auf dem Rathausplatz sowie in der Kirche zur hiesigen Verehrung des Coesfelder Kreuzes und den beiden Kreuztrachten, die an Pfingsten und im September bis heute Tradition haben.

Das „Wundertätige Gabelkreuz“

…ist das größte Gabelkreuz Deutschlands. Die Kreuztracht ist bereits seit 1312 urkundlich belegt. Durch diese Historie, durch Gebete von Diözesanpräses Pater Thaddäus Vos und dem Lied „Sei heil’ges Kreuz gegrüßet“ mit dem für das Coesfelder Kreuz gewidmeten Text nehme ich das mir seit Kindertagen bekannte Kreuz ganz neu wahr. Die stille Zeit in den Kirchenbänken mit unserer kleinen Pilgertruppe tut den eigenen Gedanken gut. Dass mich dies auch nach ein paar Tagen zurück im Alltag immer noch beschäftigt, hätte ich nicht gedacht.

Auf dem Rückweg lerne ich Pater Ephrem aus Indien kennen. Er arbeitet als Priester in St. Marien Telgte, ist Präses der dortigen Kolpingsfamilie und erstmals in der Bildungsstätte. Der motivierte junge Mann erzählt mir, dass er Reisen in sein Heimatland anbiete und u. a. auch hierdurch im letzten Jahr 19 neue Kolpingmitglieder sowie die dazu gehörige Wette gewonnen habe.

Seit März hat er als Bezirkspräses Warendorf ein weiteres Kolpingamt inne. Gerne will er mehr über den Diözesanverband und die Angebote der Geschäftsstelle wissen. „Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, 25 Menschen für Kolping zu gewinnen.“ Für heute hat er einen 9-Sitzer organisiert „und wir sind gemeinsam zum Wallfahrts-Nachmittag nach Coesfeld gefahren.“

Marktkreuz Pilger bei der Diözesanwallfahrt 2026 in Coesfeld
Alexandra Damhus, Geistliche Leitung
Alexandra Damhus, Geistliche Leitung

"Wir freuen uns, dass unser neues Konzept so gut angenommen wurde! Wir haben in diesem Jahr besonders viel Wert darauf gelegt, neben dem klassischen Pilgern ein kreatives Angebot und einen besonderen Gottesdienst zu schaffen. Wenn dann hinterher erfahrene Kolpinger mit ihrem Lob für den gelungenen Nachmittag nicht sparen, ist für uns klar: Das neue Konzept war die richtige Entscheidung."

 
Diözesanwallfahrt 2026

Auch an die Kreativen des Wallfahrtsnachmittages hatte das Organisationsteam mit Alexandra Damhus, Gaby Krampe, Mechthild Rabbe, Ulla Vollmer, Margret Döveling und Adelheid Röttger beim zweiten Workshop gedacht. Darüber erzählt mir Iris Fahnenbrauck. Die stellvertretende Diözesanvorsitzende ist mit ihrer Tochter Enya gekommen. „Sie wollte unbedingt mit, weil gebastelt wird“, schmunzelt ihre Mutter. Nach Bibelimpulsen zum Thema „Liebe“ entstanden mit Scrabble-Spielen schnell Wörter und Wortspiele. Die sind so gut, dass man damit Windlichter bastelte, die mit dürfen in die Kapelle zum Wortgottesdienst mit Kommunionspendung.

Orga-Team: Mal besinnliche, mal kreative Angebote

Zurück in der Kolping-Bildungsstätte warten Kaffee und Kuchen und die Teilnehmenden der beiden Workshops auf uns. „Darf ich mich zu euch setzen?“ Na klar, nicken wir der freundlichen Kolpingschwester zu und sie kommt uns gerade recht. Denn Angelika Locker, stellvertretende Vorsitzende ihrer kleinen Kolpingsfamilie Marl-Brassert, kann uns aus einem Workshop berichten! Etwas neugierig sind wir schon, was wir Pilger verpasst haben.

Motiviert durch das Gleichnis „Vom verlorenen Sohn“ (Lukas 15,11-32) hätten sich „richtig gute Gespräche“ entwickelt „mit vielen praktischen und aktuellen Bezügen in unser heutiges Leben“, erzählt Angelika. Ob sie erstmals mitmacht? „Ne, ich bin immer gern bei den vom Diözesanverband angebotenen Veranstaltungen dabei.“

Zum Gleichnis: Der Vater dieser ungleichen Brüder steht als Sinnbild für Gott. Er wartet geduldig, verzeiht sofort und liebt beide Söhne bedingungslos. Ob bei der Entwicklung des Wallfahrtsmottos dieses Gleichnis Pate gestanden hat, überlege ich mir und kriege sofort Kopfkino.

Diözesanwallfahrt 2026
 
Fahnen
Diözesanwallfahrt 2026 Fahnen Kolpingsfamilie
Diözesanwallfahrt 2026 Fahnen
 

„Die Liebe Gottes verpflichtet zum Handeln.“

Das Auftaktlied „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ ist ganz nach meinem Geschmack. Gedanklich wage ich mich auch an eine Wortspielerei: „Eingeladen zum Fest der Wallfahrt…“ Mir hat’s gefallen, der Tag hat mir gutgetan.

Zu den Zeilen aus dem „Hohelied der Liebe“, dem berühmten Text aus 1. Korinther 13 im Neuen Testament, lassen die Kolpingschwestern des Orga-Teams ihre eigenen Gedanken einfließen. Alexandra Damhus: „Wir haben den Auftrag, Gottes Liebe in die Welt zu tragen. Das kann jeder tun, denn es geschieht in ganz kleinen Dingen, Wertschätzungen und Zeit füreinander.“ Adolph Kolping habe uns dieses mit auf den Weg gegeben: „Die Liebe Gottes verpflichtet zum Handeln.“

Zum Abschluss des Gottesdienstes schauen wir noch eine Bildmeditation. Hier klärt sich für mich die Gleichung „Gott = Liebe“ aus der Vorankündigung. „Gott ist Liebe“ steht in großen Buchstaben auf der letzten Folie.

Diözesanwallfahrt 2026 Gottesdienst

Text: Rita Kleinschneider

Bilder: Rita Kleinschneider und Doris Büning

 

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Kolpingwerk Diözesanverband
Münster e.V.

Gerlever Weg 1
D-48653 Coesfeld

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