14.11.2025
Rückblick auf den Online-Abend "Ich sehe das anders!" mit Diplompsychologin und Autorin Anne Otto
Wie kann Dialog gelingen, wenn die Ansichten weit auseinanderliegen?
Darüber sprach Diplompsychologin, Autorin und Coach Anne Otto beim Online-Abend "Ich sehe das anders!", zu dem das Kolpingwerk Diözesanverband Münster eingeladen hatte. Rund um Fragen zu Gesprächskultur, Haltung und Zivilcourage entwickelte sich ein intensiver Austausch.
Otto machte deutlich, wie wichtig es ist, mit unterschiedlichen Meinungen umgehen zu lernen, ohne den Kontakt zueinander zu verlieren. "Es wird viel von Spaltung gesprochen", sagte sie, "aber oft ist unsere Gesellschaft gar nicht so gespalten, wie es scheint. Entscheidend ist, dass wir miteinander im Gespräch bleiben - und bewusst handeln, wenn Grenzen erreicht sind. Ich finde es wichtig, dass wir die Hemmung verlieren, über Differenzen zu sprechen. Nur weil jemand eine andere Meinung hat, heißt das nicht, dass wir gar nichts teilen können. Es gibt natürlich Punkte, an denen Positionen sehr weit auseinandergehen. Dann ist es wichtig, bewusst zu entscheiden: Bleibe ich in Kontakt oder ziehe ich Grenzen – und warum?
Die Referentin gab praktische Hinweise, wie respektvolle Kommunikation gelingen kann: zunächst verstehen, dann argumentieren, Haltung zeigen, wo nötig.
"Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Diskussionen etwas mit Gewinnen und Verlieren zu tun haben. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, den anderen zu verstehen - ohne die eigene Haltung aufzugeben. Wenn jemand ganz andere Ansichten hat, hilft es, erst einmal zu fragen: Wie kommst du zu dieser Haltung? Und dann zu sagen, wo meine eigenen Grenzen liegen. Wichtig ist zu unterscheiden, ob es noch um die Sache geht. Wir müssen wieder lernen, zuzuhören, Fragen zu stellen und nicht vorschnell voneinander abzurücken", so Otto.
Besonders eindrücklich war ihre Ermutigung, sich einzumischen, wenn abwertende Kommentare fallen - auch dann, wenn es Überwindung kostet. „Ich möchte gerade die, die sonst eher zurückhaltend sind, darin bestärken, sich zu Wort zu melden“, sagte Anne Otto. „Es geht nicht darum, immer und überall zu reagieren, aber darum zu wissen, wann welches Verhalten sinnvoll ist.“
Der Online-Abend zeigte, wie wichtig es ist im Alltag, im Ehrenamt und in der Gesellschaft respektvolle Gesprächskultur immer wieder einzuüben.
„Wir müssen wieder lernen, zuzuhören, Fragen zu stellen und uns nicht vorschnell voneinander abzuwenden“, fasste Anne Otto zusammen. „Wenn wir alle nur noch in unseren Meinungsräumen bleiben, wird es düster.“
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