15.05.2020

Familiengipfel statt Autogipfel

Kolpingwerk DV Münster zum „Internationalen Tag der Familie“ (15.5.)

Anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Tages der Familie“ (15.5.) appelliert das Kolpingwerk Diözesanverband (DV) Münster an Entscheidungsträger in Bund und Land, Familien bei ihren täglichen Herausforderungen mit politischer Priorität zu unterstützen. Seit 24 Jahren machen die Vereinten Nationen mit diesem besonderen Tag auf die Bedeutung der Familie aufmerksam. Das diesjährige Motto „Mehr Familie – In die Zukunft, fertig, los!“ zielt auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

alleine

Was in den Familien an Erziehungs- und Bildungsarbeit, an Kinder- und Seniorenbetreuung geleistet werde, sei erst durch deren immense Pandemie-Einschränkungen der letzten Monate auch medial bewusster geworden. „Familien sind und bleiben systemrelevant“, verweist Iris Fahnenbrauck (Ahaus) auf die vielen Belastungen, die sich aus den Maßnahmen in nahezu allen Politikfeldern für Eltern und Kinder ergäben. „Wir wollen in der familienpolitischen Wahrnehmung nicht nur aus ökonomischer Perspektive betrachtet werden. So vielfältig das Familienleben ist, so vielfältig müssten die familienunterstützenden Angebote sein.“

Iris Fahnenbrauck ist als Diözesanvorstandsmitglied des Kolpingwerkes im Bistum Münster zuständig für Familien- und Generationenthemen. „Mit viel Energie und Kreativität haben wir Eltern beim Spagat zwischen Homeoffice, Homeschooling, Kleinkinderbetreuung und Alltagsbewältigung unser Möglichstes geleistet“, weiß Iris Fahnenbrauck aus vielen Gesprächen. Nun überwiege das frustrierende Gefühl, weiterhin allein gelassen und den Kindern auch in ihrem Bildungsanspruch nicht mehr gerecht zu werden.

Die Mutter von vier Kindern fordert: „Statt eines Autogipfels wäre ein Familiengipfel notwendig, der während der akuten Pandemie-Problematik sinnvolle Unterstützungsmöglichkeiten, alternative Betreuungsformen und klare Perspektiven entwickelt.“

  • Eltern brauchen eine Art „Corona-Elternzeit“, damit Arbeitgeber dabei unterstützt werden, Eltern und in besonderem Maße Alleinerziehende für die Betreuung der Kinder teilweise freizustellen, solange die öffentliche Betreuung nicht weitgehend gewährleistet ist. Denn für Eltern, die nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten und arbeitstechnisch keine Möglichkeit haben, in’s Homeoffice zu gehen, gibt es keinen Plan, wie die Situation bewerkstelligt werden soll. Auch wenn jetzt Schule und Kita schrittweise starten, gibt es bei Geschwisterkindern meist weiterhin kaum Zeitfenster, in denen keines der Kinder betreut werden muss. Insbesondere im Vorschulbereich bedarf es zusätzlicher alternativer Betreuungsangebote.

  • Es ist abzusehen, dass im Sommer Ferienfreizeiten abgesagt werden müssen. Damit stehen Familien erneut vor wochenlangen Betreuungsproblemen. Freie und kommunale Träger müssen daher bei der Entwicklung alternativer ortsnaher Angebote in den Sommerferien unterstützt werden.

  • Schon jetzt zeigt sich, dass diverse Betriebe angesichts schwieriger wirtschaftlicher Situation zurückhaltend sind, Ausbildungsplätze anzubieten. Die zukünftigen Auszubildenden und ihre Familien hoffen auf Lösungen, wie Betriebe hierbei gestärkt werden können.

Kolpingwerk als Fürsprecher für alle Familien

Kolping-Geschäftsführer Uwe Slüter (Münster) sieht die Familie als robuste Institution, die Halt verspreche. Es gelte „die Verantwortungsgemeinschaft Ehe und Familie in ihren unterschiedlichen Konstellationen zu fördern. Das ist die Kernaufgabe der Familienpolitik und gilt im besonderen Maße während dieser Ausnahmesituation.“ Vieles sei auf den Weg gebracht worden, so Slüter. „Doch es muss stetig daran weitergearbeitet werden, dass Familie mit Kindern bei Berufstätigkeit beider Eltern und für Alleinerziehende zur Zufriedenheit aller Beteiligten realisierbar ist.“

Das Kolpingwerk ist und bleibt Anwalt der Familien. Es fordert alle politisch Verantwortlichen auf, sich engagiert für deren vielfältigen Belange einzusetzen. Eine Gesellschaft, die Familien vernachlässigt oder überfordert, die ihr nicht den nötigen Schutz und die entsprechende Förderung gibt, entzieht sich die eigenen Grundlagen.

Text: Rita Kleinschneider / Carolin Olbrich

Iris Fahnenbrauck, Kolping-Diözesanvorstandsmitglied, Vorsitzende Diözesanfachausschuss Familie und Generationen (Foto privat)
Iris Fahnenbrauck, Kolping-Diözesanvorstandsmitglied, Vorsitzende Diözesanfachausschuss Familie und Generationen (Foto privat)
Uwe Slüter, Geschäftsführer des Kolpingwerkes im Bistum Münster. (Foto Rita Kleinschneider)
Uwe Slüter, Geschäftsführer des Kolpingwerkes im Bistum Münster.
(Foto Rita Kleinschneider)
 
 

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