24.03.2020

Dran bleiben

Obwohl die Verunsicherung sehr groß war, die diesjährigen 56. Recklinghäuser Gespräche des Kolpingwerk Kreisverbandes Recklinghausen aufgrund der sich ausbreitenden Corona Pandemie überhaupt stattfinden zu lassen, waren ca. 100 Zuhörer ins Kolpinghaus in Recklinghausen gekommen.

Pfarrer Stefan Jürgens war als Referent geladen und stellte sein neues Buch „Ausgeheuchelt“ vor, in dem er sich auf`s kirchenpolitische Glatteis zu begeben scheint. Priester zu werden und zu sein, wäre schon als 10jähriger Junge sein Wunsch gewesen. „Das ist jetzt schon seit geraumer Zeit so, doch die Kirche macht mir als Pfarrer das Glauben schwer“, so Jürgens und macht deutlich, dass Reformen dringend erforderlich sind: Zölibat, Frauen in Ämtern, Machtstrukturen, XXL Gemeinden und Mißbrauch. Die Reformthemen liegen auf der Hand. „Ich gebe nicht auf, die Sache Jesu ist es wert. Es gibt zu viel Kirche und zu wenig Jesus.“

Es entwickelt sich eine lebhafte Diskussion mit den Zuhörern. Er beantwortet Fragen zu den Kapiteln seines Buches, gibt aber auch gerne Antworten auf ganz persönliche Fragen. Anke Heining interessierte der Untertitel „ Gelaber und Geleier“, die er mit den Worten „manche Gottesdienste werden doch nur heruntergeleiert und manche Predigten seien nur Gelaber“ beantwortet.

Stefan Jürgens findet deutliche Worte für die Reformforderungen. Einprägend sind seine Worte Wie: „Das Zölibat ist die größte heilige Kuh, die geschlachtet werden muss, da diesem alles ungeordnet wird.“ Für die Machtstrukturen, die Veranstaltungen, bei der die Kirche als Monopolist auftritt wie z.B. Taufe Kommunion, Beerdigung, Entlassgottesdienste der Schule etc. als Anknüpfungspunkte im Leben gestaltet werden, damit Kirche wieder persönlicher, verständlicher und interessanter wird. Die Kirchensprache muss dringend für den Zuhörer verständlich, ohne theologische Fachsprache gestaltet werden. Kirche braucht eine Sprache, die jeder versteht, damit Liturgie berührt.

Zentrale Frage, die sich Jürgens immer wieder stellte: „Was würde Jesus tun? Seine Entscheidungen hat er aufgrund eines gesunden Menschenverstandes getroffen. Sie waren immer auf die Zukunft gerichtet. Was muss getan werden, damit Menschen dabeibleiben?

Er fordert die Zuhörer auf, laut zu sein und Reformen einzufordern wie z.B. bei Maria 2.0. So befürwortet er die ersten Schritte des Synodalen Weges mit seinen 4 Foren (Priesterliche Lebensformen, Frauen in der Kirche, polyzentrische Weltkirche, seelsorgliche Not in Deutschland). Allerdings ist er nicht der Meinung, dass Konkretes zu erwarten ist.

Er muntert in seinem Schlusswort die Zuhörer auf, an Jesus dranzubleiben. Der Glaube muss die Möglichkeit haben, sich in vielfältiger Form auf verschiedenen Wegen zu entwickeln. „Mutmachen sei ein Ziel seines Buches.

Text: Beatrix Becker
Fotos: Stefan Becker

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