Moral ist keine Wirtschaftskategorie
Mit großer Sorge stellt das Kolpingwerk in Nordrhein-Westfalen fest, dass die Schere zwischen Arm und Reich in unserem Land immer weiter auseinander gehe und die Mittelschicht in Deutschland immer mehr schrumpfe. Die Gewinne der DAX-notierten Großbetriebe erreichten immer astronomischere Höhen, während Familien geführte kleine Mittelbetriebe, insbesondere im handwerklichen Bereich, mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten. Trotz, dass immer mehr Menschen entlassen würden oder erst gar keine Anstellung fänden, hält das Kolpingwerk in Nordrhein-Westfalen eine pauschale Kritik an Unternehmer für nicht angebracht.
Konform gehe man mit Ludwig Erhardt als Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft, dass Moral keine Wirtschaftskategorie ist, die sich in Preis- und Marktbildung niederschlage. Wohl hätten sich alle Teilnehmer des Wirtschaftsmarktes moralisch zu verhalten. Daher weist das Kolpingwerk mit Nachdruck darauf hin, dass nach den Aussagen der Katholischen Soziallehre auch die Wirtschaft Teil der gesamt-gesellschaftlichen Verantwortung sei und ihre unternehmerischen Entscheidungen nach allgemein gültigen moralischen Wertigkeiten auszurichten habe.
"Aufgabe der Politik angesichts der Globalisierung ist es, die Handlungsrahmen hierfür zu setzen", fordert Karl Schiewerling, Vorsitzender des Kolpingwerkes Landesverband Nordrhein-Westfalen und moniert, dass dies derzeit am Beispiel Senkung der Körperschaftssteuer lediglich zugunsten der Großkonzerne und durch Aushöhlung des Kündigungsschutzes zu Lasten der Beschäftigten und Einsparung bei Arbeitslosen geschehe.
Das Kolpingwerk in Nordrhein-Westfalen fordert die Politik auf, die derzeitigen Reformwirren zu ordnen und zu bündeln. Hierbei gelte es, die Familien als kleinste Zelle unserer Gesellschaft zu fördern. Dem diene das Steuerkonzept von Prof. Dr. Paul Kirchhoff, dass politisch umzusetzen sei. Ebenso müsse eine neu zu strukturierende Gesundheitsreform die Prävention fördern. "Auch die Schul- und Hochschulreformen muss sich daran orientieren, dass nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern durch einen umfassenden Bildungsbegriff den jungen Menschen ohne Reduzierung auf ihre ökonomische Verwertbarkeit auch ganzheitliche Bildung angeboten wird", so Schiewerling und mit Blick auf die Landtagswahlen: "Ob dieses allerdings gelingt, hängt nicht nur von den politischen Mehrheiten sondern auch von dem Menschenbild und den Werten ab, in denen sich die jeweiligen Politiker verpflichtet fühlen."
Karl Schiewerling
Vorsitzender des
Kolpingwerkes Landesverband Nordrhein-Westfalen
