Ohne strukturelle Verbesserung Engagement für Kinder nur begrenzt möglich
"Aus einem schlecht versorgten Kind wird nicht selten ein kranker Erwachsener." Dieses Fazit zog Referentin Jutta Lebkücher, Leiterin der AWO-Spielstube in Münster-Coerde, bei einer Veranstaltung des Kolping-Bildungswerkes Diözesanverband Münster in Coesfeld. Mitarbeiterinnen aus Kindertagesstätten und aus der Übermittag-Betreuung aus den Regionen Coesfeld, Borken und Steinfurt erarbeiteten unter dem Motto "Schattendasein" einen Tag lang die Chancen und Grenzen ihrer Arbeit für die Unterstützung armer Kinder und ihrer Familien.
Bis vor einigen Jahren war Armut in Deutschland ein Tabuthema, - es gab in unserem Land sozusagen keine Armut. Mittlerweile werden vom Kinderschutzbund 2,2 Mio. der unter 18-Jährigen als arm eingestuft. Auch wenn stellenweise diese Tatsache wahr genommen wird, werden nur selten Konsequenzen daraus gezogen. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Münster, die im Jahre 2003 zwar einen Armutsbericht für die Stadt hat erstellen lassen, die darin geforderten Maßnahmen aber aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt hat.
Neben politischen Forderungen wie Angeboten der möglichst kostenlosen Ganztagsbetreuung im Vorschulalter ging es bei der Veranstaltung aber vor allem um praktische Fragen aus dem pädagogischen Alltag. Wie können arme Kinder in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Kleidung und Hygiene, Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit gefördert werden? Wie kann vielfach als Gegenbild zum häuslichen Erleben die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, die emotionale und kognitive Kompetenz gestärkt werden? Hier reichten die Vorschläge von Sprachkursen über gemeinsames Frühstück und Sponsoring für Essensbeiträge bis hin zur Förderung von Freundschaften und der Kooperation mit Beratungsstellen und Ämtern. Die Teilnehmerinnen gingen am Ende des Tages mit vielen neuen Anregungen und neuer Motivation, aber auch mit dem Bewusstsein nach Hause, dass ohne strukturelle Verbesserungen in den Bereichen Arbeitslosigkeit, Wohnungs- und Migrationspolitik sowie den Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit, ihr eigenes Engagement den Kindern nur begrenzt helfen kann.
Carolin Olbrich
