„Erziehungsleistung ALLER Eltern honorieren!“
Auf der diesjährigen Delegiertenversammlung des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster begrüßte der Vorsitzende Hermann-Josef Dyckhoff (Ahaus) die rund 300 Anwesenden angesichts der gesellschaftlichen Umbrüche und zurückgehenden staatlichen und kirchlichen Zuschüsse mit den Worten: „Bei allem Verständnis für den sorgenvollen Blick auf die stürmische See - ich bin überzeugt, dass in unserem Boot viele begabte und begeisterte Menschen sind, die uns auf Kurs halten, und seien wir überzeugt: Gott ist mit im Boot!“ Die Kolpinger seien aufgerufen, ja verpflichtet, mit ihrem Tun Felsen zu sein, die den Stürmen der Zeit etwas entgegen zu setzen hätten.
Neben den Wahlen, die auf vielen Ebenen des Diözesanverbandes personelle Weichen für die zukünftige Verbandsarbeit stellten, standen auch in diesem Jahr programmatische Fragen sowie Berichte über vergangene und zukünftige Aktionen und Projekte auf der Tagesordnung.
So wurden die zahlreichen Delegierten über den aktuellen Stand beim Schwerpunktthema des Kolpingwerkes „Entschieden für Familie“ informiert. Die Arbeitsgruppe Familienwahlrecht hat beispielsweise die Forderung des Kolping Diözesanverbandes nach einem Wahlrecht von Geburt an erfolgreich in den öffentlichen Diskurs gebracht. Die Gründung eines Aktionsbündnisses mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen und die künftig im Internet aufzufindende Homepage www.wahlrechtfueralle.de werden die Forderung auf noch breitere gesellschaftliche und öffentliche Basis stellen. Außerdem setzt sich das Kolpingwerk unter der Leitung von Elsbeth Knossalla (Everswinkel), Mitglied des Diözesanfachausschusses „Lebenswege – Menschenwege“, dafür ein, „Kommunale Familientische“ als Sonderform von lokalen Bündnissen für Familien in Kommunen zu installieren und zu moderieren. Als erfolgreiches Projekt wurde im Geschäftsbericht zudem die mit anderen katholischen Trägern auf die Beine gestellte Wanderausstellung „Familienleben hier und heute“ genannt.
Mit großer Mehrheit verabschiedete die Diözesanversammlung zwei Resolutionen und machte damit den Selbstanspruch des Kolpingwerkes deutlich, auf Grundlage der katholischen Soziallehre auch politisch mitzuwirken. Zum einen fordert das Kolpingwerk Diözesanverband Münster die Einführung einer verpflichtenden Abgabe auf Flugtickets zum Zweck der Entwicklungsfinanzierung, wie sie auf dem informellen Treffen der EU-Finanzminister im Mai 2005 als freiwillige Abgabe beschlossen wurde. Josef Mersch (Hopsten), erneut wiedergewählter Vorsitzender des Diözesanfachausschusses „Internationalität und Eine Welt“: „Die Mittel für Entwicklungshilfe sind vom 0,7-Prozent-Ziel noch weit entfernt, obwohl die Situation, besonders in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara, bereits im höchsten Maß besorgniserregend sind. Umso wichtiger ist es, mit dieser Abgabe die notwendigen finanziellen Mittel aufzubringen.“
Mit der zweiten Resolution „Erziehungsleistung honorieren und Wahlfreiheit sichern!“ lehnt der Diözesanverband entschieden den von der großen Koalition vereinbarten politischen Willen ab, das Erziehungsgeld ab 2008 in ein ausschließlich einkommensabhängiges Elterngeld umzuwandeln: „Wir begrüßen grundsätzlich die Honorierung der Erziehungsleistung von Eltern. Das Elterngeld darf aber nicht die Erwerbstätigen einseitig begünstigen. Wir fordern die Honorierung der Erziehungsleistung und nicht die Abfederung des Verdienstausfalles!“ Aus diesem Grunde fordert der Diözesanverband einen Einkommen-unabhängigen Sockelbetrag von 750 Euro, um die Wahlfreiheit aller Eltern hinsichtlich Erziehung und Beruf zu gewährleisten.
MdB Karl Schiewerling (Nottuln), ehrenamtlicher Landesvorsitzender des Kolpingwerkes NRW und seit dieser Legislaturperiode Mitglied des Bundestages, versprach der Versammlung, sich in Berlin aktiv für die politische Umsetzung der beiden Forderungen einzusetzen.
