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Landespolitischer Abend in Düsseldorf

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Kolping in NRW diskutiert mit Politik Forderungen zur Landtagswahl
 

Düsseldorf. Dass sich das Kolpingwerk in politische Diskussionen einmischt, ist nichts Neues, dieser landespolitische Abend in Düsseldorf war es dennoch. Erstmals hatte der Landesverband des Kolpingwerks zu einer solchen Veranstaltung eingeladen, um rechtzeitig vor der NRW-Wahl die eigenen Positionen öffentlich vorzustellen und zugleich mit prominenten Gästen aus Politik und Kirche zu diskutieren. Bereits vor einigen Wochen hatte der Landesvorstand des Kolpingwerkes unter dem Leitmotiv Werte – Familie – Bildung seine Anforderungen an die zukünftige Landesregierung formuliert und veröffentlicht. Drei Staatssekretäre und ein Moraltheologe waren der Einladung gefolgt, um unter der Moderation von Michael Thamm das Kolping-Papier zu diskutieren.

Karl Schiewerling, Landesvorsitzender und ehemaliger Diözesansekretär des Diözesanverbandes Münster, sagte zum Einstieg, er erlebe derzeit in der Gesellschaft eine große Sehnsucht nach Werten. Mit dem Papier antworte Kolping darauf und formuliere, „was wir für wichtig halten.“ Dass es dem Verband mit seinen Forderungen nicht darum geht, Pfründe für die eigenen Mitglieder zu sichern, machte Schiewerling am Beispiel des Sonntags deutlich: „Unsere Gesellschaft muss sich auf gemeinsame Strukturen verständigen, damit sie zusammenhält“, sagte er. Wenn es einmal so kommen sollte und die Geschäft sonntags öffneten, dann plädiere er dafür, auch alle Behörden und Ämter an sieben Tagen in der Woche zu öffnen.

In einer ersten Diskussionsrunde ging es dann um das Thema Familie. Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im NRW-Familienministerium, verteidigte das KIBIZ gegen Kritik. „Ich ärgere mich, wenn wir uns immer die Diskussion um Plätze, Plätze, Plätze und Geld, Geld, Geld aufdrängen lassen.“ Hinter dem KIBIZ stecke eine neue Philosophie, ein neuer Blick aufs Kind. Dies solle doch zunächst einmal gewürdigt werden. Noch immer entscheide die Situation der Herkunftsfamilie über die Zukunft des Kindes. Hier wollten die Familienzentren Partner der Eltern sein und den Kindern zu besseren Startchancen verhelfen.

Deutlich sprach sie sich gegen die Kolping-Forderung nach einer Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr ab einem Einkommen von 50.000 € aus. Sie wolle zunächst die Qualität in den Kindertagesstätten sichern und dazu werde das Geld gebraucht.

Beim Thema Bildung diskutierten Günter Winands, Staatssekretär im Schulministerium, der renommierte Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg und Landesgeschäftsführer von Kolping in NRW Werner Sondermann miteinander. Auf die Frage, was er in der Politik vermisse, sagte Schallenberg, er vermisse, dass der Schwächere in den Blick genommen werde. Dies sei der Auftrag des Christlichen und dies habe Adolph Kolping für sich entdeckt. Zudem stelle sich auch die Frage, wie die multikulturelle Gesellschaft miteinander leben wolle. „Was sind die gemeinsamen Werte von Christen und Muslimen?“ fragte er. Der Politik empfahl er, den im Kolping-Papier formulierten Dreiklang „Kompetent, subsidiär und menschenwürdig“, der gewissermaßen als Maßstab für Bildungsangebote gelten soll, ebenfalls anzuwenden. „Aus dem Ansatz, jeden Menschen grundsätzlich für kompetent zu halten, könnte man etwas machen“, sagte Schallenberg.

Staatssekretär Günter Winands erwies sich in der Diskussion als leidenschaftlicher Anwalt der Jugend von heute. Diese Generation sei nicht schlechter als früher, sagte er, die Gesellschaft dürfe den jungen Leuten nicht ständig einreden, nicht ausbildungsfähig zu sein. „Irgendwann glauben sie es.“ Was sich im Vergleich zur eigenen Jugend dramatisch verändert habe, sei das Umfeld. „Die Jugendlichen haben es schwerer als früher. Wir selber kommen doch mit den neuen Medien oft nicht zurecht.“ Zugleich wies er darauf hin, dass viele Probleme, die früher in der Familie oder in der Jugendgruppe aufgefangen worden oder durch sie erst gar nicht entstanden seien, heute den Schulen zur Aufgabe gemacht würden. „Aber Lehrer sind keine Drogenberater!“ so Wienands. Mahnende Worte richtete er an das Handwerk. Wenn dort damit geworben werde, nur die Besten zu nehmen, dann demoralisiere das. „Wir müssen auch auf unsere Sprache achten!“

Werner Sondermann plädierte abschließend dafür, stärker auf die Schnittstellen zu achten, also etwa auf den Übergang Schule-Beruf. Dort könne man etwas bewegen. Hier gelte es, mehr miteinander zu reden, die zuständigen Einrichtungen besser in Kontakt miteinander zu bringen. Sondermann brachte auch die Frage nach den Ausschreibungen für Maßnahmen der beruflichen Bildung zur Sprache. Die Qualität der Bildungseinrichtungen müsse hier eine größere Rolle spielen, forderte er. Dass in den Kolping-Einrichtungen neben fachlichem Können auch Werte vermittelt werden, sei übrigens ein Qualitätsfaktor, den es stärker zu berücksichtigen gelte.

Nach der rund zweistündigen Diskussion ergriff Karl Schiewerling zum Schluss noch einmal das Wort. „Wir haben ein Zeichen gesetzt im NRW-Wahlkampf“, meinte er. Zudem enthalte das Papier, dies habe ihm die Diskussion gezeigt, viele Anregungen für die Arbeit der Kolpingsfamilien.“

Attachments
Positionen des Kolpingwerkes Nordrhein-Westfalen zur Landtagswahl 2010
(2010-03-Positionen_Landtagswahl2010.pdf - 100.83 Kb)
Created by bvo
Last modified 2010-04-30 14:14
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