Praxis trifft Politik
„Familien sind kein statisches Gebilde. In ihnen spiegelt sich der soziale und kulturelle Wandel Deutschlands in seiner ganzen Vielfalt wider“. Familien, unabhängig verschiedenster gelebter Familienmodelle, nähmen durch ihre Erziehungsarbeit eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe wahr. Und diese gelte es nach besten Kräften zu unterstützen. Darin waren sich Werner Jostmeier, CDU-Landtagsabgeordneter aus Dülmen, und Bernd Krämer (Lüdinghausen), Diözesanvorsitzender des Kolpingwerkes Diözesanverband (DV) Münster einig.
Krämer, seit fünf Monaten an der ehrenamtlichen Spitze des etwa 42.000 Mitglieder und 270 Kolpingsfamilien zählenden katholischen Sozialverbandes im Bistum Münster, machte seinen Antrittsbesuch beim hiesigen Landtagsabgeordneten.
Werner Jostmeier nahm sich viel Zeit für ein sehr konstruktives Gespräch. „Ohne unsere Vereine und Verbände würde unser Gemeinwohl nicht funktionieren. 23 Millionen ehrenamtlich engagierte Menschen in Deutschland bringen sich unentgeltlich ein.“ Auch das vielfältige Engagement des Kolpingwerkes auf dem Bildungssektor habe hohe gesamt-gesellschaftliche Relevanz.
Das Kolpingwerk, so erläuterte Diözesanvorsitzender Bernd Krämer, bringe sich auch in politische, schulische, berufliche, lebens- und familienrelevante Bildungsthemen oder Entscheidungen zu gesellschaftlichen Themen wie dem Sonntagsschutz ein. Krämer sucht den Dialog, denn: „Sozialverbände und politische Entscheidungsträger sollten eine gemeinsame Schnittmenge haben“, so Bernd Krämer. Und er erläutert: „Beispielsweise das NRW – Weiterbildungsgesetz oder der bis Mitte 2014 geltende Erlass ‚Geld oder Stelle’ für Sekundarstufe I; zur pädagogischen Übermittagbetreuung / Ganztagsangebote haben unmittelbare Auswirkungen auf unsere Arbeit.“ Der Familienverband Kolpingwerk DV Münster kooperiere hierbei mittlerweile an 14 Schulen im Münsterland als Träger dieser Angebote für die Schüler. Die Offene Ganztagsschule ist ein Erfolgsmodell, findet Bernd Krämer. „Hier leisten wir gute Familien fördernde Arbeit.“ Allerdings drückt ihn bei den Vorgaben in diesem Erlass der Schuh: „Es ist keine Sachkostenübernahme vorgesehen, die natürlich für pädagogisch hochwertige Angebote im Übermittag oder Ganztag benötigt wird. Auch haben einige Schulen das Problem, dass die Essenausgabe nicht gesichert ist, weil für dieses Personal auch keine Mittel zur Verfügung stehen.“
Schwierig sei es zudem, für erziehungsgerechte Angebote entsprechend ausgebildetes Personal zu bekommen. „Das Budget lässt keine angemessene Vergütung zu.“ Eine Umlage auf den Essenspreis sei unrealistisch. Elternbeiträge ließen sich nur in geringem Umfang einführen. „Übermittagbetreuung oder Ganztagsangebote sollen nach aufwändigen Planungsphasen und –kosten ein verbindliches Angebot für Schulträger, Schülern und Familien sein. Die im Erlass festgeschriebene Fördersicherheit geht nur bis Mitte 2014, für uns als Träger dieser Angebote bietet dieser Zeitrahmen aber keine Planungssicherheit“, sorgt sich der Kolping-Diözesanvorsitzende.
Bernd Krämer appelliert an die politisch Verantwortlichen, hier praxisrelevante Entscheidungen zu treffen. Landtagsabgeordneter Werner Jostmeier, der auch Vorsitzender des Hauptausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag ist, verspricht sich hierfür einzusetzen. Jostmeier: „Mir ist immer wichtig das Ohr bei denen zu haben, die politische Entscheidungen in die Praxis umsetzen.“
