Papst-Botschaft, Erklärung von Münster und Kolpingmeile
Münster (pbm). Mit der Veröffentlichung einer „Erklärung von Münster“ mit gesellschafts-, familien- und sozialpolitischen Forderungen haben am Sonntag (14. Juni) die Feiern zum 150-jährigen Bestehen des Kolpingwerkes im Bistum Münster ihren Höhepunkt erreicht. Der Kolping-Diözesanverband Münster ist mit über 42.500 Mitgliedern in 270 örtlichen Kolping-familien der größte in Deutschland.
Pontifikalamt mit Bischof Genn
Bischof Felix Genn rief die „Kolpinger“ in einem Pontifikalamt im überfüllten St.-Paulus-Dom zur Fortsetzung ihres Engagements in Kirche und Gesellschaft auf: „Öffnen wir unser Herz und trauen dem kleinen Samenkorn des Wortes Gottes zu, dass es die Welt verändern kann. Bitte lassen Sie nicht nach darin!“ Der Rückblick auf 150 Jahre Kolpingwerk im Bistum zeige eindrucksvoll, dass das Evangelium zur Entfaltung gekommen sei und „reiche Frucht gebracht hat“. Genn rief den Familienverband zu Zuversicht auf, auch wenn manchmal aufgrund zurückgehender Zahlen der Eindruck vermittelt werde, dass es abwärts gehe mit der Kirche. Auch Adolph Kolping habe Mitte des 19. Jahrhunderts nicht ahnen können, was aus kleinsten Anfängen wachsen könne: „Das ist die innere Zuversicht, die uns bewegen sollte: Das Reich Gottes wächst von selbst, weil der eingepflanzte Same so kraftvoll ist.“ Der Bischof wörtlich: „Wir wissen, dass der Herr die Fäden in der Hand hält.“ Er forderte die Mitglieder der Kolpingfamilien auf, in Politik und Gesellschaft allen Tendenzen entgegenzutreten, die die Familie schwächen könnten. (Anm. d. Redaktion: Wortlaut der Predigt von Bischof Genn, siehe hier unten zum Download)
Grußwort von Papst Benedikt XVI.
Rund 200 Bannerabordnungen tauchten die Kathedrale des Bistums in einen Farbenmeer aus Schwarz-orange. Unter den Konzelebranten waren Kolping-Bundespräses Ottmar Dillenburg, der Nationalpräses von Kolping Uganda, Peter R. Isingoma, und der münsterische Diözesanpräses Dirk Holtmann. Die Kollekte soll der Kolping-Stiftung im Bistum Münster zugutekommen. In einem Grußwort, das verlesen wurde, entbot Papst Benedikt XVI. allen Kolping-schwestern und –brüdern seinen apostolischen Segen. Am Schluss des festlichen Hochamtes stand das traditionelle „Kolping-Grablied“, das an das segensreiche Wirken des „Gesellenvaters“ und Sozialreformers Adolph Kolping (1813 – 1865) und seine Grablege in der Kölner Minoritenkirche erinnert. Kolping selbst hatte im Jahr 1852 den ersten Gesellenverein in Münster gegründet: die noch heute bestehende Kolpingfamilie „Münster-Zentral“. Sieben Jahre später kam es zur Konstituierung eines Diözesanverbandes für das Bistum Münster.
„Erklärung von Münster“
In seiner „Erklärung von Münster“ fordert das Kolpingwerk vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl die Umsetzung eines besonderen „Drei-Säulen-Modells“ für die Rente, um Altersarmut zu verhindern, die Erziehungsleistung von Eltern anzuerkennen und eine „solidarische und gerechte Alterssicherung“ zu ermöglichen. Eine weitere Forderung bezieht sich auf eine größere Wertschätzung und Entlastung von Eltern mit Kindern. Ein konkreter Punkt neben Familienbildung, -beratung und -erholung: „Kindbezogene Produkte“ wie Babykleidung oder Kindersitze sollen nur noch mit einer Mehrwertsteuer von sieben Prozent belegt werden, wie dies bereits in einigen EU-Ländern durchgesetzt ist.
Rund um den Adolph-Kolping-Platz
Der Kolping-Diözesanverband feierte sein Jubiläum mit rund 4.000 Mitgliedern aus allen Teilen des Bistums mit einem generationenübergreifenden „Familientag“ in der Altstadt von Münster rund um den Adolph-Kolping-Platz. Das Angebot reichte von einer „Kolping-Meile“, wo sich etwa das Bildungswerk, die Kolpingjugend und die Ferienstätten vorstellten, bis zu einem „Promi-Cafe“ mit bekannten Kolpingmitgliedern aus Landtag und Bundestag. 25 Kolpingfamilien präsentierten außergewöhnliche Projekte aus ihrer Arbeit. Einige wurden mit dem Kolping-Familienpreis für vorbildliche Initiativen der Familienarbeit ausgezeichnet. Kolping-Bundespräses Dillenburg hielt vor den älteren Kolpingmitgliedern einen Vortrag über die Verbandslosung „Treu Kolping – Kolping treu“. Das Feier- und Mitmachprogramm reichte vom „Trommelzauber“ 500 afrikanischer Trommeln bis zum Auftritt der „6-Zylinder“. Die Kolping-Jugend war bereits am Samstag Abend mit einer „Orange Night“ und der Top-40-Band „Steam“ gestartet. Das 150-jährige Jubiläum des Kolpingwerkes im Bistum Münster geht am 21. November mit einer Diözesanversammlung zu Ende.
Text: Karl Hagemann, Pressedienst Bistum Münster, Fotos: Rita Kleinschneider
Weitere Berichte in den Medien unter: kirchensite.de und westfaelische-nachrichten.de
Videofilm von Martin Wißmann von der Pressekonferenz am 10.6.09
