"Dem Kolpingwerk ein Gesicht geben"
„Ich habe das unverdiente Glück gehabt, die Dinge zu tun, die mir wichtig waren.“ Vor 25 Jahren wurde Karl Schiewerling (Nottuln) erster Diözesansekretär des Kolpingwerkes Diözesanverband (DV) Münster. Am Samstag (31.10.) verabschiedeten ihn die Kolpinger und Weggefährten aus dem seit seinem Einzug in den Deutschen Bundestag 2005 ruhenden Amt, das nun mit dem erneuten Direktmandat für den Wahlkreis Coesfeld / Steinfurt II endet. Es waren Stunden freudigen Wiedersehens im Stadthotel Münster, humorvoller Anekdoten, einer Parodie der Mitarbeitervertretung und dankbarer Rückblicke in Wort und Bild auf 21 Jahre aktiver Verantwortung im Hauptamt und in zahlreichen Ehrenämtern der sozialen Selbstverwaltung.
Sehr präsent sind MdB Karl Schiewerling noch seine ersten Eindrücke „bei Kolping“: „Da ist man neu im Kolpingwerk und trifft als 34-jähriger Schnösel auf gestandene Handwerksmeister und Kolpingmitglieder, die einem sagen ‚Mach‘ das, du kannst das, ich trau‘ dir das zu“.
Diese Ermutigungen habe er in weiteren Jahren von zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitstreitern bei vielen auf den Weg zu bringenden Projekten und Initiativen gehört. Eine Botschaft, die er für sein Leben gelernt habe, ist für den MdB und ehrenamtlichen NRW - Landesvorsitzenden des Kolpingwerkes Karl Schiewerling: „Trau‘ den Menschen was zu und du kannst etwas bewegen.“
Für die Zukunft appellierte er an alle 42.500 Kolpingmitglieder in den 270 Kolpingsfamilien des Bistums Münster: „Kolpinger, habt mehr Selbstvertrauen.“ Es müssten nicht immer die großen Projekte sein. „Auch in bescheidenen Dingen und kleinen Zusammentreffen stärkt ihr das für’s Gemeinwohl so wichtige Zusammengehörigkeitsgefühl, vermittelt Werte und Orientierung.“ Und: In der Politik könne man schnell heimatlos werden. „Ladet die Stadtverordneten, Landes- und Bundesparlamentarier ein. Nicht um zu fordern, sondern helft auch, dass wir getragen werden.“
Kolping-Diözesanvorsitzender Hermann-Josef Dyckhoff (Ahaus) wusste: „Es ist ein Abschied vom Amt, aber nicht von deiner großen Verbundenheit zum Kolpingwerk und zum Gründervater Adolph Kolping.“ Dessen Zitat „Die Nöte der Zeit werden euch lehren was zu tun ist“, sei Leitlinie von Schiewerlings Wirken gewesen.
Im Beisein von Ehefrau Mechthild und Sohn Matthias Schiewerling, Domvikar Stefan Sühling, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat in Münster, Landtagsabgeordnetem Werner Jostmeier, Handwerkskammer-Präsident Hans Rath sowie der erst drei Tage zuvor zur ersten stellvertretenden Landrätin des Kreises Coesfeld gewählten Anneliese Haselkamp erinnerte er an einige Schwerpunkte auf dem 25-jährigen Arbeitsweg.
Die vielfältige Initiative für „Entschieden für Familie“ sei ein bis heute gültiges Schwerpunktthema. Weiter die Mitgestaltungen in der Arbeitswelt, der sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung, der beruflichen Bildung. „Die Auseinandersetzung und konkrete Unterstützung bei globalen wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten spiegelt sich wider in über 25-jähriger aktiv praktizierter Partnerschaft mit dem Kolpingwerk Uganda“, so Dyckhoff. „Unser Kolpingwerk in der Kirche von Münster zu stärken und hörbar zu machen, das sich aber auch um ihren Glauben bemüht, hast du nie aus dem Blick verloren.“ Maßnahmen zur Zukunftsfähigkeit des Kolpingwerkes hätten nicht immer gleich Unterstützung gefunden. Diese beschrittenen Wege werde sicherlich auch Johannes Norpoth (Gelsenkirchen) als neuer Diözesansekretär fortsetzen, der am 21. November bei der Delegiertenversammlung in Coesfeld in sein Amt eingeführt wird.
„Mach weiter so, dann bist Du für uns der ideale verlängerte Arm nach Berlin.“ Margret Pernhorst (Lüdinghausen), Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, stellte ihrem 16-jährigen Weggefährten Karl Schiewerling zum Abschied ein gutes Zeugnis aus: „Ein Formulierungskünstler zahlreicher Stellungnahmen, kameradschaftlich, ausdauernd, hoch motiviert hast du innerkirchliche Akzente gesetzt und das Diözesankomitee in vielen Ausschüssen und Räten ehrenamtlich vertreten.“ Erste Erfahrungen auf der politischen Bühne seien wohl seine Mitarbeit auf NRW-Ebene bei der Erstellung des Weiterbildungs-, des Landesrundfunkgesetzes und des Lokalfunkes als Vorsitzender des Ausschusses für Erwachsenenbildung und Medien gewesen. „Mit Überzeugungskraft hast du unsere christlichen Werte, wie die Bedeutung von Ehe und Familie, auch gegen den Strom der Zeit vertreten.“
Gratulation zum Jubiläum und Dank für vielfältige Mitarbeit in zentralen Gremien überbrachte Bundessekretär Ulrich Vollmer (Holtwick) vom Bundesverband des Kolpingwerks Deutschland (Sitz in Köln). Vollmer, selber von 1992 bis 2000 ehrenamtlicher Diözesanvorsitzender im DV Münster und somit langjähriger Weggefährte in Verantwortung für den DV Münster, wusste in seiner sehr persönlichen Laudatio viele Ereignisse in Erinnerung zu bringen. Nach einem „politisch denkenden und verbandspolitisch handelnden Diözesansekretär“ sei der damalige Diözesanpräses August Werning vor 25 Jahren auf der Suche gewesen. Ulrich Vollmer nannte ihm den Namen Schiewerling, den er als BDKJ-Bundessekretär in Düsseldorf kannte. „Es war eine gute Wahl. Du hast dem DV Münster und weit darüber hinaus ein Gesicht gegeben.“
