Ein Mann – zwei Geschichten
Die Geschichte des Kolping-Bildungswerkes: Berufliche Bildung bei Kolping
Berufliche Qualifizierung ist seit der Zeit Kolpings Mitte des 19.ten Jahrhunderts ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit der Kath. Gesellenvereine und später des Kolpingwerkes gewesen. Nachdem die berufliche Qualifizierung im Laufe der Jahre zunehmend von öffentlich-rechtlichen Körperschaften übernommen worden war, kam dieses Engagement im Laufe der 60-ziger und 70-ziger Jahre zunehmend zum Erliegen. Beim Jubiläumsempfang blätterte Geschäftsführer Alfons Rave für die Familie, Weggefährten und Mitarbeiter Vortmanns zurück zu den Anfängen des Kolping – Bildungswerkes.
Kein Geringerer als Dr. Norbert Blüm, seinerzeit Bundesminister für Arbeit- und Sozialordnung, hatte 1982 bei der Kolping – Landesversammlung gleichsam den Startschuss für einen Neubeginn gegeben. Bei hoher Jugendarbeitslosigkeit in diesen Jahren forderte Blüm die Grundprinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität der Katholischen Soziallehre ein und stieß bei Kolping auf offene Ohren. „Staat und Bürger müssen sich auf die Hilfe zur Selbsthilfe besinnen und dürfen niemandem ihren solidarischen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verweigern“, so Blüms Worte auf der Kolping-Landesversammlung.
Seither führt das Kolpingwerk Diözesanverband (DV) Münster in vielfältiger Weise berufsvorbereitende und berufsqualifizierende Maßnahmen durch sowie Beschäftigungsprojekte und Maßnahmen zur Förderung der Integration. Voran gegangen waren intensive Beratungen in den verbandlichen Gremien des Kolpingwerk Diözesanverbandes und des Landesverbandes NRW. Viele Jahre haben die Kolpingsfamilien in den jeweiligen Regionen wesentlich zum Maßnahmeerfolg beigetragen, da sie wohnortnah und entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten der Teilnehmenden Praktikumsbetriebe organisiert haben. Heute ist das Kolping-Bildungswerk schwerpunktmäßig tätig in den Kreisen Warendorf und Coesfeld. Seit einem Jahr verantwortet Josef Vortmann auch die staatliche Bildungsscheck-Beratung als neues Angebot des Kolpingwerkes.
Bundestagsabgeordneter Karl Schiewerling reflektierte als langjähriger Diözesansekretär des Kolpingwerkes DV Münster die Intention, bei Kolping überhaupt Bildungsmaßnahmen anzubieten. Die Ursorge Adolph Kolpings war es seinerzeit, den jungen Gesellen Wurzeln, Bildung und Heimat zu geben. Er habe sich denen zugewandt, die es in damaliger Zeit schwer hatten, in ihrem Beruf Fuß zu fassen, denn „berufliches Tun ist so prägend für den Menschen, beeinflusst Erziehungs- und Veränderungsprozesse und ist die Basis aller Lebensgestaltung“, so Schiewerling. Heute müsse sich Bildungsarbeit bei Kolping auch als Chance begreifen, die Dinge zu erklären wie sie sind. „Trotz Informationsflut gibt es vielfache Orientierungslosigkeit und Nichtverstehen.“ Rentenpolitik oder die Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf das eigene Lebensumfeld seien nur zwei Stichworte.
Die Geschichte des Josef Vortmann
Am 2. November 1983 beginnt dann die Geschichte des Dipl.-Theologen Josef Vortmann. An diesem Tage stand er allein vor einer Gruppe von 18 Jugendlichen. Das Arbeitsamt hatte das Kolping- Bildungswerk beauftragt, sie mit Sozialkompetenzen und Praktika für den Einstieg ins Berufsleben fit zu machen oder Eingliederungsschancen bei ausländischen Jugendlichen zu erhöhen. Bis heute füllt er diese Aufgaben für bisher über 5000 Maßnahmeteilnehmer nah am Menschen, mit Herzblut und hohem Verantwortungsgefühl aus. Denn nicht immer kamen die jungen Leute freiwillig zum Lehrgangsunterricht. Das Zitat von Adolph Kolping „Gebt ihnen nicht, was sie wollen, sondern gebt ihnen, was sie brauchen“ treffe die Motivation von Josef Vortmann auf den Punkt, findet Alfons Rave und umschreibt die Kerntugenden von Josef Vortmann: „Ein hohes Maß an Kreativität, außerordentliches Engagement, Rückrat und Standfestigkeit“. Sogar eine zweijährige Umschulungsmaßnahme kurz nach DDR – Mauerfall konnte in Waren / Müritz als überhaupt wohl erste Umschulungsmaßnahme im Arbeitsamtsbezirk Neubrandenburg durchgeführt werden.
Im Jahre 2000 erhält Vortmann vom Kolping – Bildungswerk die Prokura für die Abteilungsleitung „Berufliche Bildung“. Koordinierende, konzipierende, leitende Aufgaben sowie Mitarbeitereinsatz und –führung hatten sein Tätigkeitsfeld erweitert. Rave: „Bei meinen Geschäftsführerkollegen in NRW giltst du als einer der Bestinformierten, wenn es um Ausschreibungen, Förderprogramme oder Vergaberecht geht.“
Bis zur Aufnahme in die Geschäftsleitung kümmerte Josef Vortmann sich 14 Jahre als Mitarbeitervertreter für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen beim Dienstgeber.
Zur Person
Josef Vortmann (55 Jahre) ist Schöffe beim Jugendgericht Marl und engagiert sich ehrenamtlich in seiner Gemeinde. Er ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderates St. Georg Marl. Man kennt ihn hoch zu Pferde als Sankt Martin und als Major beim jährlichen Schützenfest.
Text und Fotos: Rita Kleinschneider
